Wie versteckt man sich im offenen Wasser?

Bodenguckerfische vor Texas (Foto: Erich Schlegel)

Bodenguckerfische vor Texas können sich mit einem optischen Trick im offenen wasser verstecken (Foto/Credits: Erich Schlegel)

Wenn andere einen als Fisch gerne verspeisen möchten, ist es nützlich, wenn man sich gut verstecken kann. Damit einen die Raubfische gar nicht erst entdecken. Tatsächlich verstecken sich viele Fische zwischen Pflanzen, in den Ritzen eines Riffs oder sie graben sich womöglich sogar ein. Aber was machen die, die gar keine Verstecke haben, weil sie im offenen Wasser leben? Die Antwort von Dr. Molly Cummings: „Denen bleibt nichts übrig, als sich in das Bild des Wassers einzublenden.“ Klar, was sonst. Tarnkappe eben. Besser hätte es auch ein Magier nicht sagen können. Aber Molly Cummings von der Universität von Texas in Austin  ist keine Zauberkünstlerin (jedenfalls nicht, dass ich wüsste). Sie ist ist Biologin und zusammen mit anderen Forschern einigen Fischarten auf die Schliche gekommen, wie sie in der Fachzeitschrift Science berichteten. Sie fanden heraus:

Die Fische blenden sich mit Hilfe winziger Spiegel in der Haut tatsächlich in das Bild des offenen Wassers ein.

Diese Spiegel sind Guanin-Kristalle in den oberen Schichten der Hautzellen. In der Richtung von der Ober zur Unterseite des Fisches stehen die Spiegelchen alle untereinander. Dr. Michael Twardowskivon der Florida Atlantic University, ebenfalls im Forscherteam, erläutert, was die Spiegel machen. Sie reflektieren  das Licht von oben so, dass es für einen Raubfisch, der üblichwerweise von unten guckt, ähnlich intensiv ist wie das Licht im Hintergrund. Die Spiegelchen zeigen dem Betrachter also praktisch ein Bild von Hintergrund. Dadurch hebt sich der Fisch kaum noch vom Hintergrund ab.

Ein weiterer Tarntrick hängt ebenfalls  mit den Spiegelchen in der Fischhaut  zusammen

Nach vorne und hinten stehen sie in unterschiedlichen Winkeln ab. Damit blenden sie für viele Fische einen großen Teil von Lichtstrahlen einfach aus. Unter der Wasseroberfläche ist Licht nämlich polarisiert, die Schwingungsebenen der Lichtwellen liegen parallel, wie Physiker sagen. Die Augen vieler Fischarten können polarisiertes Licht wahrnehmen, aber nur wenn es in einer Richtung  auftrifft. Da die Spiegelchen in der Fischhaut jedoch seitlich alle ein bisschen unterschiedlich ausgerichtet sind, zerstreuen sie die Lichtstrahlen in viele verschiedene Richtungen.  Für einen Raubfisch bleiben nur noch wenige übrig, die sein Auge wahrnehmen kann. Sprich, er sieht nicht mehr viel von den Fisch. Die Kontraste verschwimmen.

Alles in allem wird dadurch der Kontrast des Fisches vermindert, erkärte mir Molly Cummings Kollege Parrish Brady für einen Radiobeitrag im SWR.

Fische, die sich üblichweise  in ihrem Lebensraum, etwa in einem Riff, gut verstecken können, bleiben hingegen im offenen Wasser gut sichtbar.

Wie man sich unter Wasser tarnt, das ist auch für Militärs interessant. Jedenfalls wurde ein Teil der Forschung auch von  den Seestreitkräften der USA finanziert.

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